6. August 2013

WTF ist Heimat?

Durch Daniel Rehns schönen Artikel bin ich vor kurzem auf die Blogparade von Katja Wenk zum Thema Heimat gestoßen. Und nachdem mir schon sehr lange so viele Gedanken dazu im Kopf herumschwirren habe ich kurzerhand entschlossen mit zu machen.

Wenn ich an den Begriff Heimat denke dann fühlt sich das für mich erstmal sehr schwer an. Aufgeladen, idealisiert, überfrachtet mit Erwartungen und Sehnsüchten - als gäbe es da eine Leere die wir in unserer globalisierten und angepassten Welt gerne stopfen möchten.

Innsbruck, Nordkette
Auch wenn man Heimat modernerweise immer weniger an Orten festmachen will: aber meine Heimat ist Tirol. Ski anschnallen und stundenlang die Pisten rauf und runter. Durch Wälder spazieren. Eislaufen am See. Jede freie Minute vor atemberaubender Kulisse im nahegelegenen Park oder Freibad verbringen und das Glocken-Gebimmel von Schafen das einem den Schlaf raubt. Ich sag es gleich dazu - war nicht immer alles freiwillig und spaßig - aber diese Dinge bedeuten für mich eben "dahoam". Berge wirken beruhigend auf mich und geben mir ein Gefühl der Sicherheit. Sie erden, grenzen ab, ermöglichen einen wunderbaren Weitblick und wenn man auf die Schnauze fällt dann steil bergab und es tut richtig weh. Eine Ambivalenz die in vielerlei Hinsicht in mir wohnt und die ich überall hin mitschleppe.

Die zweite Komponente meines Heimatgefühls sind natürlich sämtliche Beziehungen in meinem nahen Umfeld während meiner Kindheit und Jugend. Familie, Freunde, aber auch Lehrer, Babysitter usw. Sie bilden diese dichten Erinnerungsgeflechte und Emotionskonglomerate die mich jeden Tag begleiten und die irgendwo auch Basis meiner Gegenwart sind. Viele Einflüsse habe ich über die Jahre natürlich überdacht und verworfen, aber das ändert wohl wenig an ihrer identitätsstiftenden Wirkung.

Als ich mit 19 Jahren meine Heimat verlassen hatte war ich erstmal froh. Ich hatte das Gefühl ihr entwachsen zu wollen, vielleicht auch das Bedürfnis sie abzustreifen wie eine alte Haut um in neuen, eigenen Farben strahlen zu können (die erste Zeit war das übrigens hauptsächlich schwarz hihi). Mein Weg führte mich nach Salzburg, einen Sommer lang nach München, nach Wien, ein halbes Jahr nach Hamburg und wieder zurück in die österreichische Hauptstadt - nur um mittlerweile zu wissen, dass Tirol immer noch meine Heimat ist.

Aber wieso eigentlich? Die Erinnerungen an die vergangenen 12 Jahre sind schließlich weitaus präsenter als die meiner Kindheit und Jugend, die Freundschaften die ich mittlerweile an vielen verschiedenen Orten pflege teils viel intensiver als die Kontakte von damals. Dennoch hab ich immer das Gefühl, dass meine Freunde (Familie sowieso) von damals trotz aller Entfernung und vielleicht auch Entfremdung beträchtlich zu meinem Heimatgefühl beitragen. Sie wissen wie ich als Kind und Jugendliche war und was um mich herum in dieser Zeit passiert ist. Die blöden Geschichten lässt man bei neuen Freunden die ersten 2 Jahre vielleicht gerne weg, aber den Jugendfreunden und der Familie kann man nichts vormachen. Sie haben die schlimme Akne gesehen und den ersten Freund der überhaupt nicht zu einem gepasst hat, sind neben einem gestanden als man in der Schule verarscht wurde und durch die theoretische Führerscheinprüfung gerasselt ist (ja, jetzt ist es endlich offiziell). 

Dieses immanente Wissen anderer bedeutet für mich auch Heimat. Weil ich nichts erklären muss und einfach sein kann. Ohne Worte. Begleitet von einem verschwommenen, aufgeladenen Dickicht voller Gefühle und Bilder.

Kommentare:

  1. "Weil ich nichts erklären muss und einfach sein kann." – Das bringt es ganz wunderbar auf den Punkt. Sehr schön :)

    Und bis jetzt wusste ich gar nicht, dass du so ein Wandervogel warst/bist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hihi, ich bin überhaupt kein Wandervogel - wie gesagt - nicht alles war freiwillig ;). Aber abgesehen davon war ich als Kind schon gern auf den Skiern, eislaufen, schwimmen usw. Vielleicht kommt die Sportlichkeit ja mal wieder zurück - wäre ja nicht von Nachteil! :)

      Löschen
  2. Fein, fein :)
    Heimat.. hm..

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Von dir würde mich ein Artikel dazu auch interessieren übrigens! :)

      Löschen
  3. Beste Grüße von der Ostsee – meiner Heimat. Ich bin nach etlichen Jahren beruflichem Wanderleben in interessanten Städten mit klasse Kollegen, Kunden und Arbeitsaufgabe wieder zuhause in meiner Heimat angekommen. Mit dieser Erfahrung stöbere ich bei den Teilnehmern der Blogparade. Lese ganz gespannt, bei den anderen Bloggern über Ihre Erfahrungen, Wünsche und Gesfühle. Ich wünsche Dir alles Gute. Wenn Du Lust hast schaue mal in meinen Beitrag http://frankkoebsch.wordpress.com/2013/09/04/bilder-meiner-heimat/

    Frank

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Österreich Lizenz.